Prostitution ist mit massiver Gewalt verbunden

Eine internationale Befragung von 854 Prostituierten aus neun Ländern ergab zu diesem Thema folgende Antworten:

  • 64% wurden in der Prostitution mit einer Waffe bedroht (Deutschland 52%)
  • 73% wurden körperlich angegriffen (Deutschland: 61%)
  • 57% wurden in der Prostitution vergewaltigt (Deutschland: 63%)
  • 59% der in der Prostitution vergewaltigten Frauen wurden mehr als fünf mal vergewaltigt (Deutschland: 50%)
  • 75% waren aktuell oder in der Vergangenheit einmal obdachlos (Deutschland: 74%)
  • 59% wurden als Kind von einer betreuenden Person blau geschlagen oder verletzt (Deutschland; 48%)
  • 63% wurden als Kind sexuell missbraucht (Deutschland: 48%)

Quelle: Melissa Farley et al., 2003, Prostitution and Trafficking in Nine Countries: An Update on Violence and Posttraumatic Stress Disorder

Interessanterweise ergab diese Befragung im Vergleich zwischen Ländern, in denen Prostitution legal ist und Ländern, in denen Prostitution strafbar ist, im Hinblick auf die Gewalt gegen die Prostituierten keinen signifikanter Unterschied.

Prostitution und Trauma

Viele Prostituierte leiden an posttraumatischem Stress. Dies fiel bereits in den 80er Jahren skandinavischen WissenschaftlerInnen auf. Die 1986 erschienene und auch in Deutschland veröffentlichte Studie ‚Seitenstraßen: Geld, Macht und Liebe oder der Mythos von der Prostitution‘ trug dazu bei, die Forderung nach einem Sexkaufverbot zu verankern. Dort kamen die Prostituierten selbst ausführlich zu Wort und schilderten, wie sie es erlebten, den eigenen Körper und die eigene Vagina von zahlreichen Männern benutzen zu lassen: „Um Akteure im eigenen Leben […] sein zu können, zeigten sie […] große Handlungskraft innerhalb des geringen Handlungsspielraums, den sie […] hatten. Gleichzeitig wurde es nach und nach schwieriger für sie, die Abgrenzung zwischen Körper und Seele aufrecht zu erhalten, die notwendig war, um einen Abstand zum Verkauf des eigenen Körpers zu schaffen. Es wurde immer schwieriger, das Ich wieder anzuschalten, nachdem die Tour mit dem Käufer überstanden war. Die Frauen fühlen sich nach und nach wertlos, dreckig und ekelhaft. Die Berichte waren denen von Opfern anderer sexualisierter Gewalt […] zum Verwechseln ähnlich“ (Quelle: Cecilie Høigård, Smertens plass i prostitusjonsdebatten, in: «Materialisten», 1-2/2014, S. 3, eigene Übersetzung). Vor diesem Hintergrund gelangten immer mehr norwegische wie schwedische ProstitutionsforscherInnen und Aktivistinnen zu der Erkenntnis, dass Sexkauf eine Form von Gewalt sei.

In den letzten Jahren sind führende deutsche TraumatherapeutInnen unabhängig zu dem selben Resultat gelangt. Die Karlsruher Therapeutin Dr. Ingeborg Kraus hat mit bosnischen Frauen gearbeitet, die während der Jugoslawienkriege Opfer von Vergewaltigungen wurden. Sie sagt: „In meiner langjährigen psychotherapeutischen Erfahrung habe ich auch Prostituierte begleitet und die Hintergründe kennengelernt, die diese Frauen in die Prostitution geführt haben. Es wurde dabei deutlich, dass die Prostitution in allen Fällen die Fortsetzung von Gewalterfahrungen in ihrer Biographie war. Entweder wurden diese Frauen selbst sexualisierter Gewalt ausgesetzt oder waren in einem Umfeld groß geworden, in dem Frauen systematisch degradiert wurden. (…) Mit diesem Wissen Prostitution weiterhin als „normal“ zu bezeichnen, bedeutet eigentlich Gewalt an Frauen als eine ganz normale und legitime Sache anzuerkennen.“ (Quelle)

Die TraumatherapeutInnen haben einen Aufruf „Scientists for a world without Prostitution“ gestartet und betreiben eine Website mit sehr interessanten Beiträgen: http://www.trauma-and-prostitution.eu/

Die oben bereits zitierte internationale Befragung von 854 Prostituierten kommt zu dem Ergebnis, dass 68% der Befragten Anzeichen von postraumatischem Stress zeigten. Kein Wunder bei den berichteten Gewalterfahrungen!