Was bedeutet körperliche und sexuelle Selbstbestimmung in der Prostitution?

Körperliche Selbstbestimmung bedeutet, dass jeder Mensch selbst über den eigenen Körper entscheiden kann. Sexuelle Selbstbestimmung umfasst das Recht, über die eigene Sexualität, sexuelle Beziehungen und sexuelle Handlungen frei und ohne Zwang zu entscheiden.

Selbstbestimmung setzt dabei voraus, dass Entscheidungen tatsächlich frei getroffen werden können – ohne Gewalt, Drohung, Abhängigkeit, Ausbeutung oder wirtschaftlichen Zwang.

Körperliche Selbstbestimmung bedeutet, nicht sexuell ausgebeutet zu werden und frei über die eigene Sexualität und das eigene Leben entscheiden zu können. Das ist für die meisten Menschen in der Prostitution nicht der Fall: Fakten zur Prostitution in Deutschland.

Körperliche und sexuelle Selbstbestimmung sind Grundrechte. Doch für viele Menschen in der Prostitution ist Selbstbestimmung keine Realität. Wir setzen uns für körperliche Autonomie, sexuelle Selbstbestimmung und den Schutz vor Ausbeutung, Gewalt und Menschenhandel ein.

Selbstbestimmung in der Prostitution

Körperliche und sexuelle Selbstbestimmung sind für viele Menschen in der Prostitution nicht gegeben. Wer seinen Körper und sexuelle Handlungen gegen Geld zur Verfügung stellen muss, kann sich nicht automatisch auf sexuelle Selbstbestimmung berufen. Besonders problematisch sind Situationen, in denen wirtschaftliche Abhängigkeit, Gewalt, Kontrolle, Menschenhandel oder Zuhälterei die Handlungsmöglichkeiten einschränken.

Eine linke Politik der Selbstbestimmung muss deshalb die tatsächlichen Lebensbedingungen von Menschen in der Prostitution in den Mittelpunkt stellen (materielle Analyse). Sie muss Menschen schützen, die aussteigen wollen, Gewalt und Ausbeutung bekämpfen und gleichzeitig die Rechte und Würde aller Betroffenen stärken und vor allem: die Täter in Verantwortung nehmen. Zuhälterei gilt als risikoarmes Unterfangen in Deutschland und ist quasi straffrei. 

Ein Mann, der eine Person penetriert

  • die das nicht möchte
  • keine Lust empfindet
  • lediglich aus (ökonomischen oder fremdbestimmten) Zwang einwilligt

ist ein Täter!

Wer die Armut von Mädchen und Frauen ausnutzt, um sich Zugang zu ihren intimsten Körperöffnungen zu erschleichen, ist ein Täter!

Das alles sind Maßnahmen des Nordischen Modells bzw. des Gleichstellungsmodells. Dieses erkennt an: Prostitution ist Gewalt und Sex ohne Konsens ist. Sex ohne Konsens nennt man Vergewaltigung. Die allermeisten Menschen in der Prostitution erleben jeden Freier als Vergewaltigung. 

Mehr Infos, Betroffenenberichte und Quellen findest du in unserer Bibliothek.