Dieser Aufruf wurde 2016 gestartet und bis Juni 2020 von 548 Personen namentlich gezeichnet. Sein Ziel war, die Diskussion in der Partei DIE LINKE für eine progressive Prostitutionspolitik zu öffnen, die sich auch positiv auf das „nordische Modell“ bezieht. Dies ist noch nicht in allen Gliederungen, aber in der Partei insgesamt gelungen. Während dessen ist die Unterstützung für das „nordische Modell“ in der Gesellschaft, in der Partei DIE LINKE und nicht zuletzt in unserem Netzwerk weiter gewachsen. Deshalb haben wir im April 2020 beschlossen, einen neuen Aufruf zu starten, der eindeutig Position bezieht und entsprechende Anforderungen an die Partei DIE LINKE formuliert.

Aufruf: LINKE für eine Welt ohne Prostitution! (2016)

Wir, Mitglieder, FunktionsträgerInnen und Gliederungen der LINKEN, betrachten Prostitution als Ausdruck patriarchalischer Gewalt- und Herrschaftsverhältnisse, die wir überwinden wollen. Wir wollen in einer Welt ohne Prostitution leben!

Wir fordern, dass DIE LINKE sich unmissverständlich die Überwindung der Prostitution zum Ziel macht!

Weiter fordern wir eine ernsthafte, unvoreingenommene Auseinandersetzung der Partei mit der Frage, wie diese Zielsetzung erreicht werden kann. Das schließt eine Beschäftigung mit dem nordischen Sexkaufverbot ein. Wir wenden uns an die Leitungen der Partei, auch an solid und SDS, zu diesen Fragen gründliche Debatten zu organisieren.

Wir erwarten von der Bundestagsfraktion, dass sie

  • sich ernsthaft mit dem Sexkaufverbot nach nordischem Vorbild auseinandersetzt und sich in Skandinavien aus erster Hand zur Realität des Sexkaufverbots informiert.
  • nicht nur die Prostitutionslobby anhört, sondern in gleichem Umfang die aus der Prostitution ausgestiegenen Frauen und Männer zu Anhörungen einlädt.
  • ihren Beschluss gegen ein Sexkaufverbot zurück nimmt.

Wir bitten alle LINKEN, die diese Auffassung teilen, den Aufruf zu unterzeichnen und in ihren Orts- und Kreisverbänden eine Unterstützung dieses Aufrufs zu beantragen.

 

Begründung:

(Diese Begründung ist nicht Bestandteil des zu unterzeichnenden Textes.)

„Die Prostituierte (…) hat nicht die Rechte einer Person: in ihr finden sich alle Formen der Unterdrückung und der Sklaverei vereint.“

(Simone de Beauvoir, „Das andere Geschlecht“)

„Die immer misslicher werdenden sozialen Verhältnisse, Not, Verführung, Gefallen an einem äußerlich glänzenden, scheinbar freien Leben liefern aus allen Gesellschaftsschichten die Kandidatinnen. […] Unter solchen Verhältnissen hat der Handel mit Frauenfleisch großartige Dimensionen angenommen. […] Deutschland genießt mit den traurigen Ruhm, Frauenmarkt für die halbe Welt zu sein.“

(August Bebel, „Die Frau und der Sozialismus“)

Etwa 400.000 Prostituierte vermutet die Bundesregierung in Deutschland. Ihr Leben ist durch Unsicherheit, Gewalt, Armut und vielfach Drogenabhängigkeit geprägt. Seelische und körperliche Leiden, die aus den Gewalterfahrungen resultieren, sind häufig. Der größte Teil der Prostituierten ist nicht oder unzureichend sozialversichert. Altersarmut ist kaum zu vermeiden. Viele Prostituierte werden durch Menschenhändler aus Osteuropa oder außereuropäischen Ländern ohne Aufenthaltserlaubnis nach Deutschland gebracht. Sie sind Bordellbetreibern und Zuhältern schutzlos ausgeliefert. Die 2002 erfolgte Liberalisierung der Prostitution hat an diesen Zuständen wenig geändert. Doch der Betrieb von Bordellen, Zuhälterei und Werbung für Prostitution sind heute weitgehend unbehelligt möglich. Menschenhandel und Bordellbetrieb sind Milliardengeschäfte geworden. In der Wahrnehmung des Auslands ist Deutschland zur Drehscheibe des Menschenhandels in Europa und zum Ziel von Prostitutionstourismus geworden. Wie kann diesen Zuständen Einhalt geboten werden? Als erste grundlegende Klärung möchten wir erreichen, dass unsere Partei die Prostitution als Gewalt- und Herrschaftsverhältnis erkennt und sich ihre Überwindung zum Ziel setzt.

Seit 1999 gibt es in Schweden und seit 2009 in Norwegen und Island Gesetze, die den Kauf von sexuellen Diensten unter Strafe stellen. Bei diesem neuartigen Ansatz wird nur der Käufer bestraft und nicht die Prostituierte. In Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kanada, Litauen, Südkorea, Nord-Irland und der Republik Irland sind ähnliche Gesetze in Vorbereitung oder bereits beschlossen. Vor kurzem hat das Europäische Parlament die europäische Öffentlichkeit aufgerufen, sich mit der Frage der Prostitution zu befassen. Die Resolution befürwortet ein Sexkaufverbot nach dem schwedischen Modell und wird von den europäischen Linksparteien mehrheitlich unterstützt. Wir wollen, dass auch DIE LINKE eine ernsthafte Auseinandersetzung um das Sexkaufverbot führt. Dazu gehört es, sich mit den in Schweden, Norwegen und Island gewonnenen Erfahrungen zu befassen.

Wir sind unzufrieden damit, dass unsere Bundestagsfraktion mit ihrem Beschluss vom 14.10.2014 den Eindruck erweckt, unsere Partei lehne ein Sexkaufverbot ab. Eine solche Positionsbestimmung steht nur einem Parteitag zu. Außerdem erwarten wir von der Bundestagsfraktion, dass sie sich bei solchen Beschlüssen umfassend informiert.

Wir bitten alle Mitglieder und Gliederungen der Partei, den Aufruf „LINKE für eine Welt ohne Prostitution“ zu unterstützen!

 

Druckversion des Aufrufs: Aufruf_LINKE_fuer_eine_Welt_ohne_Prostitution

English version:  THE_LEFT_for_a_world_without_prostitution

ErstunterzeichnerInnen:

  1. Ingrid Aigner
  2. Elke Bauer, KV Ludwigshafen
  3. Dietmar Brach, Beisitzer Kreisvorstand Cochem, Vorsitzender Arbeitslosenhilfe Rheinland-Pfalz
  4. Farina Brohaska, Sprecher*innenrat Linksjugend Rheinland-Pfalz
  5. Berthold Bronisz, Bezirksvertretung Köln-Rodenkirchen
  6. Sebastian Dahlhaus, dielinke.SDS Köln
  7. Özlem Demirel, Landessprecherin NRW
  8. Ronny Diering, stellvertr. Kreisvorsitzender und Fraktionsgeschäftsführer Frankfurt (Oder)
  9. DieLinke.SDS Köln
  10. Waltraud Eisenträger-Tomcuk, Landesvorstand Hessen
  11. Malte Fuchs, KV Darmstadt
  12. Sylvia Gabelmann, ehem. Lisa-Sprecherin NRW
  13. Katharina Grabietz, Kreisvorstand Darmstadt
  14. Michael Grunwald, KV Köln
  15. Kris Vera Hartmann, Kreisvorstand Darmstadt
  16. Petra Heimer, stellvertr. Landesvorsitzende Hessen
  17. Susanne Herhaus, Stadtverordnete und Kreissprecherin Wuppertal
  18. Peter Heumann, Sprecher KV Köln
  19. Waltraud Hingst, Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Mainz
  20. Hannelore Hildebrandt, Kreisvorstand Köln
  21. Christine Hoffmann, Kreisvorstand Kassel-Stadt
  22. Hannes Jahr, dielinke.SDS Köln
  23. Bernd Joemann, KV Gladbeck
  24. Rüdiger Jurkosek, Stadtverbandssprecher Gladbeck
  25. Vera Kaufmann, stellv. Fraktionsvorsitzende KV Kassel Stadt, frauenpol. Sprecherin Kassel
  26. Samina Khan, Fraktionsvorsitzende KV Offenbach
  27. Heiner Kockerbeck, Kreisvorstand und Stadtrat Köln
  28. Krishna Koculan, Ortsverbandssprecher und Fraktionsvorsitzender Sankt Augustin
  29. Bruno Kraft, KV Bremen
  30. Angelika Link-Wilden, Sprecherin KV Köln
  31. Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz
  32. Alexandra Mehdi, Kreissprecherin KV Solingen
  33. Heike Meissner, KV Darmstadt
  34. Milena Mess, Landessprecher*innenrat der Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz
  35. Ralf Michalowsky, Landessprecher NRW
  36. Paul Oehlke, KV Köln
  37. Josef Oeinck, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Oer-Erkenschwick
  38. Tupac Simon Orellana Mardones, Fraktionsgeschäftsführer Mainz
  39. Mohammed Ouaiaou, KV Gladbeck
  40. Christiane Reymann, Delegierte Europäische Linkspartei
  41. Katharina Sass, KV Köln/Bergen, Norwegen
  42. F. Saß
  43. Rene Schneider, Kreisvorstand Koblenz
  44. Manuela Schon, Stadtverordnete Wiesbaden
  45. Alexander Schröder, KV Köln
  46. Sarah Schwarzrock, Schatzmeisterin Linksjugend Rheinland-Pfalz
  47. David Schwind, Sprecher*innenrat Linksjugend Rheinland-Pfalz
  48. Thomas Steffen, Kreisvorstand Köln
  49. Julian Theiß, Landtagskandidat in Rheinland-Pfalz, Listenplatz 4
  50. Caroline Werner, Saarbrücken, LISA Wiesbaden
  51. Chris Zeeh, KV Kassel Land, Linke Frauen Kassel
  52. Stephanie Zorg-Klingler, Stadtrat Oer-Erkenschwick

UnterzeichnerInnen unter den TeilnehmerInnen des Landesparteitags der LINKEN Rheinland-Pfalz am 28.11.2015:

  1. Matthias Burgard
  2. Sebastian Frech
  3. Kai Follmann
  4. Katrin Zengerling
  5. Barbara Seid
  6. Kim Brinkmann
  7. Martin Thomas Horsch
  8. Max Klinkner
  9. Yannic Kaub, Beisitzer im Kreisvorstand TK
  10. Manfred Bartl
  11. Meral Kurnaz
  12. Brigitte Schmeiser
  13. Annemarie Kühnt
  14. Anoba Leutz
  15. Sabine Veidt
  16. Jörg Lobach, stellvertretender Landesvorsitzender RLP
  17. Fabian Bauer, Geschäftsführer DIE LINKE RLP
  18. Leon Krug
  19. Christiane Hölzer-Hößler
  20. Elke Theisinger-Hinkel
  21. Carsten Brosette
  22. Rainer Hinkel
  23. Daniela Menzel
  24. Hans Werner Jung, Kreisschatzmeister
  25. Elijah Weber
  26. Manuela Holz
  27. Peter Weinand
  28. Dr. Wilhelm Vollmann, Bundesausschussdelegierter
  29. Christian Lehberger
  30. Florian Westphal
  31. Jürgen Pfeiffer
  32. Helmut Franz
  33. Wolfgang Huste
  34. Reinhard Klaus
  35. Michael Reif, KV Mainz
  36. Lena Edel
  37. Ramona Wiccianis
  38. Christa Krauß
  39. Kemal Gülcehre, Mitglied im Landesvorstand RLP
  40. Sebastian Knopf, Landesschatzmeister
  41. Dietmar Zieger, KV Westerwald
  42. Ingold Lagerpusch
  43. Thomas Knopp
  44. Stephan Breitbach, KV Mainz
  45. David Schwarzendahl, KV Frankenthal
  46. Susanne Kohrs, Fraktionsvorsitzende Linksfraktion Trier

UnterzeichnerInnen des Aufrufs für Mitglieder:

Letzte Unterschriften

UnterzeichnerInnen des Aufrufs für UnterstützerInnen:

Letzte Unterschriften